Mattensplitter

Rotter-Focken: Olympiagold sorgt für Euphorie

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  • Geschrieben von Thomas Meyer

    Es ist nun einen Tag her, dass Aline Rotter-Focken vom KSV Germania Krefeld nicht nur den RV NRW und DRB, sondern gleich die gesamte Republik in ein kollektives Glücksgefühl versetzt hat. Nicht wenige Freudentränen sind geflossen. Und es ist der verdiente Lohn für ihre jahrelange harte Arbeit. OLYMPIASIEGERIN – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Man kann es gar nicht oft genug aussprechen, auch wenn es jedes Mal aufs Neue eine Gänsehaut heraufbeschwört, die sich den Rücken herauf und herab auszubreiten vermag.

    Aline hat eine Wahnsinnsleistung abgeliefert, war im richtigen Moment in Höchstform und hat mit technisch-taktischer Meisterleistung alle Konkurrentinnen distanzieren können. Wir alle hatten vor unseren Fernsehern gesessen, haben feste die Daumen gedrückt und sind von Kampf zu Kampf immer euphorischer geworden. Ein Sieg im Finale gegen die Favoritin Gray (USA) schien möglich – und tatsächlich sollte es so kommen. Das 7:3 war letztlich gar souverän, wobei die Nerven aller Beteiligten und Fans dennoch bis zum Reißen strapaziert waren, ja geradezu blank gelegen haben.

    Mit ihrem Sieg hat Aline nicht nur als erste Deutsche eine olympische Medaille im Ringen gewonnen, sondern auch das bislang erste und einzige Gold für ein „Kind“ des RV NRW. Die Einträge in die Geschichtsbücher sind der Vorzeigeathletin somit sicher. Und obendrein kommt unser Sport endlich in die (positiven) Schlagzeilen, auf die wir schon lange gewartet haben. In Zeiten, in denen die Gleichberechtigung der Frau rund um den Globus auf der Agenda steht, wo Mixed-Wettbewerbe im Trend liegen und Frauenförderung auch im Sport eine gewichtige Rolle spielt, ist solch ein Titel in einer vermeintlichen Männerdomäne vielleicht doppelt wertvoll. Sie wird dem Ringkampfsport helfen, das in der Öffentlichkeit etwas angekratzte Image deutlich aufzupolieren. Eine bessere Werbung für das Ringen kann es nicht geben! Obendrein sollte die Erkenntnis, dass das Frauenringen ein unverzichtbarer Teil unserer Sportart ist, auch bei den letzten verbliebenen Skeptikern endlich angekommen sein.

    An dieser Stelle herzlichste Glückwünsche an Aline, die uns ja schon seit so vielen Jahren mit ihren Siegen, Erfolgen, Medaillen und ihrer sympathischen Art so viel Freude bereitet hat!

    Die 30jährige wird ihre beispiellose Karriere nun leider beenden und in ihrer neuen Heimat Triberg das Leben nach dem Leistungssport beginnen. Ihr letzter Kampf war der wichtigste in ihrer langen Laufbahn, und auf dem Höhepunkt tritt sie nun zurück. Schade, denn die vielen erfreulichen Nachrichten werden uns fehlen.

    Wir hoffen, dass sie dem Ringen dennoch noch lange erhalten bleiben wird, in welcher Funktion auch immer. Die erfolgreichste Athletin der deutschen Ringergeschichte darf einfach nicht von der Bildfläche verschwinden - und von der Ringermatte schonmal gar nicht! Zu groß sind ihre Verdienste.

    Alles Gute für die Zukunft, liebe Aline!

    (Foto: Kadir Caliskan/UWW)