Mattensplitter

Saison 2018: Ein Fazit

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Geschrieben von Thomas Meyer

Die Mannschaftssaison 2018 ist beendet. Alle Mannschaften, die auf Landesebene angetreten waren, dürfen sich entspannt zurücklehnen und auf Weihnachten freuen.

Nun ist der passende Moment gekommen, um ein kleines Fazit zu ziehen und auf die Saison zurückzublicken, die durch das neue Ligensystem ja völlig anders ablief als in den Vorjahren. Nun heißt es zu analysieren, ob der Modus sich bewährt hat, ob die Vereine zufrieden sind, ob man mit diesen Strukturen weiterarbeiten oder eventuell Modifikationen vornehmen möchte.

Der Abschluss der Saison war auf jeden Fall grandios: Das erste Final Six in Bonn war eine tolle Veranstaltung, die ein mehr als gelungener Höhepunkt für uns alle war und nach Wiederholung geradezu dürstet. Das Ringerherz hat gelacht und alle Anwesenden durften mit dem Glücksgefühl, dass das Ringen in NRW zu Großartigem imstande ist, hochzufrieden die Heimreise antreten. Bei aller berechtigten Euphorie und Freude darüber sollte man jedoch nicht vergessen, dass es nach wie vor auch Baustellen gibt, die sich im Verlaufe der Saison gezeigt haben. Und das teilweise auf schmerzhafte Art und Weise.

Festhalten kann man, dass die stärkere Regionalität von den meisten Sportkameraden sehr positiv gesehen wurde und wird. Lokalderbys fördern die Attraktivität der Wettkämpfe, das war merklich. Spürbar war dagegen auch, dass bei vielen Mannschaften bereits in der Zwischenrunde, spätestens aber in der Platzierungsrunde förmlich die Luft raus war. Der letzte Ehrgeiz fehlte manchen Teams, die scheinbar nur noch die Saison mit Anstand hinter sich bringen wollten. Ein Duell um Platz drei, fünf, sieben oder neun ist offensichtlich nicht wertvoll genug, als dass man hier an die Grenzen gehen möchte.

Dabei kann ein solches Aufeinandertreffen doch sportlich nicht weniger attraktiv sein als diejenigen Begegnungen, welche in vergangenen Jahren noch unter dem alten Modus ausgetragen wurden. Traten früher beispielsweise zwei Mittelfeldteams am vorletzten Kampftag gegeneinander an, war nach oben wie nach unten ja ebenfalls nichts mehr möglich gewesen. Dennoch schien man mit insgesamt etwas mehr Elan zu Werke gegangen zu sein.

Möglicherweise wirkte es für manche etwas demotivierend, wenn man in der Platzierungsrunde in Hin-und Rückkampf gegen einen Gegner antreten musste, mit dem man sich schon in der Hauptrunde zweimal gemessen hatte. In der Oberliga kam es sogar zu der Kuriosität, dass es im Rahmen der Platzierungskämpfe ausschließlich zu derartigen Begegnungen kam. Die Meinungen hierzu waren gespalten: Es gab diejenigen, die sich über einen weiteren Lokalkampf freuten, aber auch andere, die dies als eher „langweilig“ empfanden. Verliert ein Derby an Wert, wenn es zu häufig stattfindet? Möglicherweise ja, aber dennoch wird jeder hier seine eigene Meinung haben.

Die Mehrzahl der Beteiligten war froh darüber, dass man weniger Kämpfe bestreiten musste als früher. Das ist sicherlich ein weiteres dickes Plus für das neue System. Die Zahl von 14 Kampftagen scheint im Interesse der Vereine zu liegen. Merklich war jedoch, dass sich gegen Ende der Saison sowohl die Kampfabsagen als auch die Siege/Niederlagen an der Waage trotzdem häuften. Insbesondere so manch kleiner Verein hat den Belastungen nicht mehr standhalten können. Sicherlich bewegten sich diese Mannschaften von vornherein auf wackligen Füßen, weil die personelle Substanz einfach nicht da war. Dennoch muss man sich fragen, wie es zu dieser großen Ballung an Absagen zum Saisonende kommen konnte. Sind 14 Kampftage insbesondere für die Bezirksligisten immer noch zu viel? Ist die Platzierungsrunde zu unattraktiv? Ist vielleicht auch die Hemmschwelle für einen Nichtantritt niedriger als früher, da andere es vormachen? Diesen und ähnlichen Fragen muss man sich in Kürze stellen.

Das Aussetzen der Ausländerbeschränkung ist als positiv zu bewerten. Ohne unsere Migranten wäre ein ordentliches Mannschaftssystem kaum möglich. Sie sind eine tragende Säule, die uns dabei hilft, unseren Sport am Leben zu halten. Sicher kann man den Einwand vorbringen, dass das Aussetzen der Ausländerbeschränkung für einen potentiellen Bundesliga-Aufsteiger zum Problem werden könnte. Im Bereich des DRB gelten schließlich andere Regelungen. Da sich das Interesse unserer aktuellen Oberligisten, sich höherer Aufgaben anzunehmen, jedoch mehr als in Grenzen hält, ist dieser Einwand wohl zu vernachlässigen. Zudem würde es in eigener Verantwortung der potentiellen Aufsteiger liegen, durch frühzeitige und gezielte Kaderplanung die Weichen in die richtige Richtung zu stellen.

Geteilte Meinungen hörte man dagegen zu der Regel, Schultersiege mit fünf Punkten zu bewerten. Die große Zahl der Befürworter argumentiert, dass der Schultersieg dadurch endlich die herausragende Wertigkeit erhielte, wie sie ihm zustände. Schließlich ist er das Höchste, was man in einem Kampf erreichen kann, und Ziel unserer Sportart. Die Tatsache, dass man mit einer Bilanz von zwei Siegen bei acht Niederlagen theoretisch jedoch einen Kampf gewinnen kann, ist für manch einen auch etwas befremdlich. Obendrein gibt es Stimmen, die unseren Sport durch das ständige Ändern der Regeln ohnehin schon als genug bestraft erachten. Sie hätten gerne auch auf dieses Novum verzichtet und betrachten es als unnötige Abkehr von bewährter Tradition.

Es gibt also noch einiges zu evaluieren. Die Innovationen haben unter dem Strich viel Positives mit sich gebracht, jedoch auch Fragen aufgeworfen. Dies war jedoch auch nicht anders zu erwarten. Eines ist jedenfalls klar: Alle Probleme des Mannschaftsringens lösen konnten die Neuerungen nicht. Speziell in der Oberliga, über welche die vom DRB auferlegte Aufstiegspflicht wie ein großer Schatten lag, konnte das auch gar nicht perfekt funktionieren. Und Vereinen, die personelle Probleme haben, kann kein System aus der Patsche helfen, egal wie gewinnbringend es ist.

 

 Haben eine erfolgreiche Saison hinter sich: Die Jungs der RG Oberforstbach/Kelmis wurden Bezirksliga-Vizemeister

 

Half beim KSV Witten 07 II auch in 2018 noch einige Male aus: Lichtgestalt Mirko Englich (rot)

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