Mattensplitter

Alexander Leipold - ein Vorbild

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Geschrieben von Thomas Meyer

Ziemlich genau zwanzig Jahre ist es nun schon her, dass Alexander Leipold vor unser aller Augen im Olympischen Finale gegen den US-Amerikaner Brandon Slay gestanden hatte. Jubelnd hatten wir den 4:0-Punktsieg gegen seinen ausgesprochen bullig wirkenden Kontrahenten verfolgt, welcher nicht nur Alex selbst, sondern ganz Ringerdeutschland in einen wahren Freudentaumel versetzt hatte. Eine schöne Erinnerung, die allerdings durch den Umstand getrübt wird, dass diese lange ersehnte Goldmedaille wegen eines vermeintlichen Dopingvergehens nur kurze Zeit später aberkannt wurde. Ein Drama, eine Tragödie, ein Horror, ein Tief- und kaum zu begreifender Nackenschlag!

Doch Alex nahm den Kampf auf, wehrte sich mit allen Mitteln, überzeugte in zahlreichen TV-Interviews, legte juristische Schritte ein und erzielte zumindest einen Teilerfolg: Einerseits wurde die Wettkampfsperre auf nur ein Jahr verkürzt, andererseits stand man ihm zu, sich offiziell zumindest „Sieger des Olympischen Turnieres“ (allerdings nicht Olympiasieger!) nennen zu dürfen. Ob dies ein Eingeständnis war, mit der Aberkennung einen schweren Fehler begangen zu haben, sei unserer Phantasie überlassen – wir jedenfalls haben Alex jederzeit geglaubt. In unseren Augen ist und bleibt er der verdiente Olympiasieger 2000 und damit einer der ganz wenigen Handverlesenen, die sowohl bei Welt- und Europameisterschaften als auch bei Olympischen Spielen siegreich waren. Nach Adolf Seger und Martin Knosp hatte er zudem die Tradition deutscher Weltklasse-Weltergewichtler (Freistil) nahtlos fortgesetzt.

Was diese Geschichte nun mit dem RV NRW zu tun hat, werden sich vor allem die Jüngeren unter uns vielleicht fragen. Die Sache ist jedoch ganz einfach: Kurze Zeit ist Alexander Leipold auch bei uns auf die Matte gegangen. Zwar verbindet man den Vorzeigeathleten eher mit den goldenen Achtzigerjahren des AC Bavaria Goldbach oder mit dem VfK Schifferstadt, doch stand er zwischenzeitlich auch für den KSV Witten 07 auf der Matte. Das sollte Grund genug sein, um im Jubiläumsjahr noch einmal an die bewegenden Momente der Spiele von Sidney zu erinnern.

Erwiesen hat sich Alex hierbei nicht nur als sportliches Vorbild: Sein Kampfeswille auch neben der Matte war ungebrochen, sodass er trotz dieses unglaublichen Rückschlages schnell wieder aufgestanden war.

Die schlimmste und schwierigste Prüfung allerdings sollte er noch vor sich haben: Nur wenige Jahre später war er von mehreren Schlaganfällen schwer gezeichnet, sodass nicht nur die sportliche Karriere als beendet erschien, sondern auch seine Gesundheit und damit seine gesamte Zukunft ernsthaft gefährdet zu sein drohten. Doch auch hier kam er durch viel Disziplin und Willensstärke auf beeindruckende Manier wieder zurück. Sogar eine Silbermedaille bei den Europameisterschaften 2003 konnte er noch gewinnen, was ihm vollkommen zurecht den Titel „Champion des Jahres“ eingebracht hatte.

Seine Erlebnisse und seine Geschichte hat er in den beiden Büchern „Ich glaub an mich“ und „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ geschildert. Die beiden Titel sprechen für sich und spiegeln wider, wie Alex auch mit seinen Rückschlägen umgegangen ist.

Er wird aufgrund seiner einzigartigen Karriere und Geschichte wohl noch lange ein Vorbild bleiben – auch für den Nachwuchs im RV NRW. 

Alexander Leipold (Mitte) mit seinem "Vorgänger" Martin Knosp (links) und NRW-Verbandspräsident Jens Nettekoven

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